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Die Relevanz der Sprache

Sprache ist für jeden Coach ein kostbares Gut. Über unsere Verbalisierungen können gute Coaches oftmals viel mehr ableiten, als wir “eigentlich” beabsichtigen mitzuteilen. Wir tilgen Ausdrücke, generalisieren, sprechen in der Man-Form oder verwenden andere spezifische Sprachmuster.

Regel Nr. 1 in der themenzentrieren Interaktion nach Ruth Cohn (Gesprächsform, die häufig in Gruppeninteraktionen angewandt wird) ist es, etwas über “Dich selbst” und nicht über andere mitzuteilen. Übertragen bedeutet dies: Rede in der Ich-Form und nicht in der man-Form / Wir-Form oder Jeder/Alle-Form. Oftmals verstecken wir uns, gerade wenn das Gesprächsthema sich persönlichen (negativen?) Bereichen zuwendet, hinter Formulierungen wie man, alle, jede/r oder wir. Möglicherweise stellt dies einen Schutzmechanismus dar, möglicherweise ist es längst ein Automatismus. Doch für den Coach richtig interessant kann es mitunter in dem Augenblick werden, in dem der Klient von der Ich-Form in die man-Form übergeht. Möglicherweise könnte dort ein Thema vergraben liegen, dass den Klienten tiefer berührt, von dem er sich vielleicht auch “verstecken” möchte und dass es sich lohnt, aufzuarbeiten.

Oftmals machen wir es uns, unseren Zuhörern oder in diesem Falle dem Coach jedoch nicht so einfach. So fehlt in unseren sprachlichen Äußerungen beispielsweise immer wieder eine Vielzahl von Informationen. Wir “tilgen” bestimmte Informationen, absichtlich oder aber in den meisten Fällen unabsichtlich und verlieren somit den Zugang zur Tiefenstruktur unserer Sprache.

“Es macht mich fertig – ich kann nicht mehr” könnte einer dieser Sätze sein, denen es an essentiellen Informationen fehlt. Denn wir wissen nicht: Was genau macht den Klienten “fertig”? Was genau kann derjenige nicht mehr? Was genau wird von wem oder was getan, sodass sich der Klient “fertig” fühlt? Was bedeutet eigentlich “fertig machen”? Wie äußert sich “fertig machen”? W-Fragen sind hier das Stichwort. Was, Wie, Wo, Wovor, Wann, Woher u.w.m.

Indem der Coach diese Fragen stellt, werden nach und nach getilgte Informationen wieder freigelegt. Würde ich diese Fragen als Coach nicht stellen, hätte ich unter Umständen nicht genügend Hintergrundwissen, um mit dem Klienten auf effiziente Art und Weise arbeiten zu können. Und oftmals ist es so, dass Klienten selbst ganz überrascht sind, welche Tatbestände ans Licht kommen, vielleicht solche, die sie schon längst verdrängt oder vergessen haben oder solche, die sie als unwichtig abstempelten. Manchmal werden auch ganz gezielt die Informationen beiseite gelassen, die für den Klienten schmerzhaft oder möglicherweise zu intim sind, um sie ohne weiteres “locker flockig” erzählen zu können.

Generalisierungen sind eine weitere Form der Tilgung. “Nie bringt mein Mann den Müll hinunter”. “Immer muss ich sie daran erinnern, aufzuräumen”. “Niemand kümmert sich um mich. “Alle anderen sind schlauer als ich”. Hier ist es nun die Aufgabe des Coaches, diese Verallgemeinerungen zu hinterfragen. Wirklich niemals? Wirklich niemand? Wirklich alle? Kannst du dich an keine einzige Situation erinnern, in der es anders war? Und möglicherweise kommt dann “hmmm, ja, stimmt, also eine einzige Situation gab es einmal, da war…”. Nun, was hat diese Situation von anderen Situationen unterschieden?

Es gibt noch eine Vielzahl weiterer sprachlicher Modelle und Äußerungen. Ein wichtiges Stichwort ist hier beispielsweise das Meta-Modell der Sprache, dem sich oben genannte Beispiele entlehnen. Und wer bereits Kenntnisse über Hypnose hat, wird merken, dass dieses Meta-Modell nichts anderes ist, als ein inverses Milton-Modell. Wo es also in der Hypnose wichtig ist, in einer möglichst vagen Art und Weise zu sprechen, sodass der Klient eigene Assoziationen bilden kann, ist es für den Coach essentiell, alle versteckten Informationen aus den Sätzen des Klienten herauszuziehen.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Ausprobieren und Üben. Ihr werdet merken, dass euch mit der Zeit schon viel mehr Äußerungen auffallen werden, in denen Informationen getilgt wurden oder in denen von der ich-Form in die man-Form übergegangen wird. Vielleicht erwischt ihr euch ja auch selbst – gerade in Streitgesprächen oder Konflikten mit Freunden, Partnern, Kollegen oder der Familie – öfters einmal dabei, ausschließlich Generalisierungen zu verwenden?

Liebe Grüße,

Helena Fierlbeck

 

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