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Klinische Hypnosetherapie

Klinische Hypnosetherapie ist ein Begriff, der vielfach zu Missverständnissen führt. Klinische Hypnosetherapie muss beispielsweise nicht unbedingt in einer Klinik stattfinden. Allgemein wird unter Klinischer Hypnosetherapie die Behandlung von Krankheitsbildern nach dem ICD-10 durch Hypnotherapie verstanden.

Die dabei eingesetzten Hypnosetechniken ähneln jedoch denen aus Coaching und Beratung – auch wenn es kleine, feine Unterschiede gibt, auf die wir heute eingehen möchten.

Klinische Hypnosetherapie und ICD-10

Ausgeschrieben bedeutet ICD “Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme” (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems). Noch ist in Deutschland die 10. Auflage aktuell, im Juni 2018 wurde auf internationaler Ebene jedoch bereits das ICD-11 verabschiedet. Das ICD gliedert Krankheiten in verschiedene Kategorien, gekennzeichnet mit den Buchstaben A – Z.

Für Hypnosetherapeuten mit hoher Wahrscheinlichkeit am interessantesten ist die Kategorie F “Psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten”:

  • F00 – F09 Organische, einschließlich symtomatischer psychischer Störungen (z.B . Demenz, Delir)
  • F10 – F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (z.B. Alkoholmissbrauch, Drogenintoxikation)
  • F20 – F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (z.B. paranoide Schizophrenie, religiöser Wahn)
  • F30 – F39 Affektive Störungen (z.B. depressive Episode, biopolare Störung)
  • F40 – F49 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (z.B. Angststörungen, PTBS)
  • F50 – F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren (z.B. Essstörungen, nichtorganische Schlafstörungen)
  • F60 – F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (z.B. Borderline-PS, Störung der Impulskontrolle)
  • F70 – F70 Intelligenzstörungen
  • F80 – F89 Entwicklungsstörungen (z.B. Intelligenzminderung)
  • F90 – F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (z.B. Tic-Störungen, ADHS)
  • F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen (andere psychische Krankheiten nicht-organischen Ursprungs)
klinische hypnosetherapie bei depression

Hypnosetherapie ist seit 2006 offiziell als Therapiemethode psychischer Krankheiten anerkannt

Klinische Hypnosetherapie: Kontraindikationen beachten

Achtung: Nicht jedes Symptombild aus dem ICD-10 ist hypnosegeeignet! Beispielsweise die Kategorie F20 – F29 (Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen) stellt eine klare Kontraindikation dar. Auch innerhalb der “erlaubten” Störungsbilder sollte die Methode der Wahl individuell an den Patienten bzw. die Patientin angepasst werden. Das Patientenwohl steht zu jedem Zeitpunkt im Vordergrund der Behandlung.

Auch erschweren bestimmte Krankheitsbilder das Anwenden von Hypnosetherapie (z.B. Entwicklungsstörungen, Intelligenzminderung) oder machen dieses im Einzelfall auch unmöglich.

Klinische Hypnosetherapie in Deutschland nur mit Heilerlaubnis

Weil es sich um Krankheitsbilder handelt, dürfen unabhängig von der Hypnose nur Personen mit Heilerlaubnis Klinische Hypnosetherapie anwenden. Das bedeutet in der Regel Ärzte, Psycholog. Psychotherapeuten und Heilpraktiker. Diese Regelungen sind von Land zu Land unterschiedlich. In der Schweiz beispielsweise ist eine Heilerlaubnis zur Behandlung psychischer und physischer Krankheiten bislang nicht vorgeschrieben.

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In der Hypnosetherapie erhält der Pat. Hilfe seines Unterbewusstseins

Klinische Hypnosetherapie als Ausbildung

Unsere Hypnose-Master-Ausbildung (Modul 2) sehen wir zu großen Teilen auch als klinische Hypnosetherapie Ausbildung. Viele der Teilnehmer/-innen sind Psychologen, Ärzte oder Heilpraktiker. Hier geht es nicht nur um hypnotische Sprachmuster oder Tiefenentspannung, sondern um das tatsächliche Herausfiltern biographisch wichtiger Vorkommnisse und deren “Heilung”.

Was unterscheidet Klinische Hypnose von Coaching-Hypnose?

Die Antwort in Kürze: Manchmal gar nicht so viel, unserer Erfahrung nach. Allerdings sollten folgende Dinge bedacht werden:

Coaching-KlientenInnen, die nur wegen einer “Lappalie” zur Hypnose kommen, stehen oftmals stabil und sicher in ihrem Leben. Meist kann schnell und ohne Komplikationen mit der ursachenorientierten Hypnose begonnen werden. Ab und an versteckt sich jedoch auch hinter einer “Lappalie” ein gewaltiger Berg an Herausforderungen oder belastenden Lebensereignissen. Deshalb ist vorab vor der Hypnose eine ausführliche Anamnese so wichtig.

Bei PatientInnen, die bereits langjährig, teilweise chronisch verlaufend, an psychischen Krankheiten leiden (oftmals einhergehend mit diversen Klinikaufenthalten oder ambulanter Psychotherapie) ist teilweise erst eine langfristigere Stabilisierung sinnvoll, bevor am eigentlichen Thema gearbeitet wird. Ab und an wird aber tatsächlich in zwei Hypnosesitzungen all jenes aufgearbeitet und vom Unterbewusstsein neu strukturiert, was zuvor in jahrelanger therapeutischer Arbeit unentdeckt geblieben ist.

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